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Lies mal wieder (60)!

Satoshi Yagisawa:
Die Abende in der Buchhandlung Morisaki

Klar geht jeder Tag zu Ende und deswegen sind „Die Abende …“ die logische Fortsetzung „Der Tage in der Buchhandlung Morisaki“. Und wie die Tage zur Nacht und damit dunkel werden, verdüstert sich die Handlung im neueren Buch des japanischen Bestsellerautors. Die an sich heimelige Tokioter Kulisse mit dem Antiquariat und den vielen Büchern bleibt dieselbe, doch eine der zentralen Figuren stirbt und anders als im Vorläufer bietet Yagisawa Rückzug und Lektüre gar nicht mehr als (scheinbare) Lösung von Problemen an. Natürlich geht auch für die Hinterbliebenen jeden Tag wieder die Sonne auf. Um allerdings die Trauer, die Dunkelheit der Seele hinter sich zu lassen, reicht es nicht aus, einfach abzuwarten: Man muss sich ihr stellen und am besten im Kreis von Freunden oder der Familie bewältigen, lautet die klare Botschaft des Autors.
Und damit das auch wirklich jeder kapiert, spielt diesmal Tomo-chan, kellnernde Freundin der Ich-Erzählerin aus Band eins, eine deutlich prominentere Rolle. Auch sie hat ihr Päckchen Schicksal zu tragen und sucht zur Befreiung davon ein Buch, das es gar nicht gibt und das nur als unbedingt lesenswert dargestellter Titel in einem anderen vorkommt. „Obwohl ich rational verstehe, dass das Buch nicht existiert, halte ich immer noch die Augen danach offen, wenn ich in ein Antiquariat gehe. (…) Vielleicht hoffe ich darauf, dass sich auch in mir etwas verändert, (…). Aber ich weiß, dass man naiver eigentlich nicht denken kann.“
„Die Abende …“ sind in mancher Hinsicht nicht nur eine Fortsetzung, sondern das blanke Gegenteil. Den Wohlfühlfaktor schraubt der Autor deutlich nach unten und gestaltet die Handlung damit realistischer, erwachsener. Freunde eines Happy End kommen trotzdem auf ihre Kosten, obwohl es nicht plakativ ausfällt. Dafür birgt es viel Hoffnung und Zuversicht in sich.

Beide Bücher kann man sich sowohl am Tag als auch in den frühen Abendstunden in der Stadtbücherei ausleihen.

Logo der Stadtbücherei

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