Lies mal wieder (64)!
Stefan Maiwald:
Mein Leben am Strand
Wenn die Schilderungen in diesem Buch stimmen, hat Stefan Maiwald das große Los gezogen – eine Italienerin geheiratet, an die Adria gezogen und neben dem Schreiben verschiedener Bücher jede Menge Zeit, sich stundenlang ans Meer zu legen. Hat „Mein Leben am Strand“ aber nichts mit seinem Alltag zu tun, schuf der Autor eine äußerst vergnügliche Illusion. Dazu nutzt er unterschiedliche Ebenen: Neben der (scheinbar?) persönlichen erzählt Maiwald die Ereignisse einer Strandsaison in seinem unmittelbaren Umfeld, also unter den Sonnenschirmen rechts, links und vor seinem. Hinter ihm gibt es keinen, weil Maiwald aus guten Gründen in der letzten Reihe liegt (siehe dazu das entsprechende Kapitel). Auf der einen Seite räkelt sich da die Schreibseminar-Dozentin mit der in die Brüche gegangenen Ehe und darauf aufbauenden Verwünschungsorgien, auf der anderen eine Teilzeit-Zahnärztin aus Rosenheim, die jede sich bietende Gelegenheit nutzt, nach Italien zu kommen (sicher interessanter als sich in anderer Menschen Mund zu schaffen zu machen). Der deutsche Gast baut im Lauf der Saison eine (komplizierte) Beziehung auf – mit dem „Bagnino“ Edo.
Und damit zum Sprung: Nicht ins Wasser, sondern die nächste Ebene, auf der Maiwald mit viel Sympathie zu Land und Leuten die typischen Gepflogenheiten schildert. Die Eitelkeiten zum Beispiel eben zwischen dem Strandabschnittsmanager „Bagnino“ und der Badeaufsicht „Salvataggi“. Maiwald würdigt weiße Plastikstühle, er beschreibt die „Mailänder Bräune“ (käsige Haut, da Großstadtbewohner nicht aus dem Büro können) oder erklärt, warum Italiener nicht schwimmen (weil sie lieber stundenlang im hüfthohen Wasser palavern). Und dann gibt es noch die Metaebene. Hier empfiehlt der Autor, „wie wir alle zu Flaneuren werden“ oder rät zu „weniger reisen, mehr liegen“. Alles in allem: Eine Kampfansage an den deutschen Perfektionismus!
Sollte man sich dringend in der Stadtbücherei für den Sommerurlaub reservieren.